Ein wirklicher Biedermann

 

       Liebe

Weiche Knie

Leeres Gehirn

Schmetterlinge im Bauch —

Kennst Du das auch?


 

                Liebe so groß

                 Was mach ich bloß?

                 Ich könnt vor Glück schrei‘n —

                 Und bin doch allein!

                 Dich gibt es für mich,

                 aber mich nicht für Dich…

                 Er denkt gar nicht dran.

 

                   Ich möchte, dass er bleibt,

                    sich nicht mehr rumtreibt.

                    Doch er will nur raus

                    Er hält’s hier nicht aus.

                     Drum lass’ ich ihn gehen,

 

                     ich kann’s ja verstehn,

                   was er tat so oft kund,

                er ist und bleibt ein

                    Straßenhund!

 

(mit freundlicher Genehmigung aus

„Gedanken“ von Inge Kile)

 

 

Adele wachte auf. Es war nur ein Traum, Gott sei Dank!

Ihre Katze Martha starrte sie an. Sie lag auf ihrer Brust, der unruhige Schlaf ihrer Herrin hatte ihr so gar nicht gefallen.

Langsam, ganz langsam begriff Adele, das nichts vom dem geschehen war, von dem sie geträumt hatte.

Bedauerte sie das? Was wollte ihr der Traum sagen? Was wünschte sie dem Mann, von dem sie geträumt hatte, wirklich?

Was wünschte Sie sich? Wünschte sie sich, ihn zu töten oder wünschte sie ihm den Tod?

Das war doch nun wirklich nicht ihre Art! Sie schüttelte den Kopf solch

ungehöriger Gedanken.

Sie schaute auf den kleinen Wecker, der neben ihrem Bett auf einem kleinen Wandregal stand. Aber sie konnte nichts erkennen, es war zu dunkel, sie streckte ihre Hand nach dem Lichtschalter aus und war plötzlich wach, hellwach sogar.

Drei Dinge geschahen gleichzeitig, das Licht ging an, die Katze sprang fauchend und wütend ob der Störung aus dem Bett und — Adele fiel alles wieder ein. Alles, auf einmal.

Sie stand auf und ging ins Bad. Sie war nassgeschwitzt, als hätte sie unter der Dusche gestanden. Keinen trockenen Faden hatte sie mehr am Leib.

Duschen - ja, das würde helfen.

Als sie im Bad auf die Uhr mit dem großen Ziffernblatt sah, stellte sie fest, dass es erst zwei Uhr dreiundfünfzig war, mitten in der Nacht.

Aber auch unter der Dusche, während sie den warmen Wasserstrahl auf ihr Gesicht prasseln ließ… sie wurde von dem Traum verfolgt, in dem sie das entblößte Bein unter dem Auto gesehen hatte. Lebte er noch? Dumme Frage, schalt sie sich, warum sollte er nicht mehr leben? Tot würde er ihr gar nichts nützen. Sie wusste, dass an Schlaf nicht mehr zu denken war – in diesem Zustand ganz sicher nicht.

Hatte sie ihm wirklich im Traum den Tod gewünscht? Würde sie ihm wirklich gern die Maske des Biedermannes vom Gesicht reißen?

Aber Walter war kein Biedermann, er war ein Schuft, ein Betrüger ein, ein… ihr fehlten die Worte. Die Wut, die Trauer um eine verlorene Freundschaft, um ihr Geld,  alles war wieder gegenwärtig.

Ob Walter wohl mittlerweile zwischen Schweiß getränkten, zerwühlten Bettlacken aufwachte? Hatte er ein schlechtes Gewissen? Tat es ihm leid, was er ihr angetan hat? Traf er sich vielleicht sogar schon wieder mit einer anderen Frau, die genau so einsam, vertrauensvoll und saublöd, wie sie es  war, ihm ihr ganzes Geld anbot?

Sie stöhnte auf.

 

Man müsste den Schuh umdrehen.

Aber wie!!!

Sie hatte sich doch immer auf ihr gutes Gespür und ihr Einfühlungsvermögen verlassen können. Wo war denn damals ihr wacher Verstand geblieben? Wach wurde sie erst, als er sich immer mehr zurückzog und sie später dann bemerkte, dass ihr Konto leergeräumt war. Wieso war sie nicht früher misstrauisch geworden? Warum hatte sie sich nur von ihm dermaßen angezogen gefühlt?

Als er sich immer weiter zurück zog, war sie in Panik geraten, hatte Angst, ihn zu verlieren. Half ihm mit Geld aus, damit er nicht sechshundert Kilometer wegziehen müsste. Und er? Gab sich traurig und beschämt, von einer Frau, die er bewunderte und achtete, Geld anzunehmen - Was für ein Heuchler!!!

Sie ließ weiterhin heißes Wasser auf ihren Körper niederprasseln. Wenn sie so doch nur die Schmach den Scham und ihre Gedanken wegspülen könnte!

Mit leiser Stimme hatte er sie gefragt, ob er nicht vielleicht doch zu seiner Schwester ziehen sollte, die hätte eine große Gärtnerei in Norddeutschland und bestimmt ein kleines Zimmer für ihn. Dort könnte er an seinem Roman weiterschreiben und in der Gärtnerei bräuchte man immer eine fleißige Hand. Bei dieser Frage hatte er seine manikürte Hand auf die ihre gelegt und sicherlich hatte er auch gespürt, wie sie anfing zu zittern.

Traurig lächelnd hatte er ihr in die Augen geschaut, der Schuft und gesagt, dass der Durchbruch seines Romans kurz bevor stünde. Der Verleger sei begeistert. Es würden nur noch die letzten drei Kapitel fehlen. Und er hatte beteuert, dass das den großen Durchbruch bringen würde. Dann meinte er, er stünde unter großem Zeitdruck, das hätte ihm eine Schreibblockade beschert.

Er war auf eine faszinierende Art… was, ja was war er eigendlich? Schüchtern? Ängstlich? Zurückhaltend?

Es war nie zu mehr gekommen, als dass er ihre Hand hielt oder drückte. Sie dachte, er wäre ein echter Gentleman. Sie genoss seine zurückhaltende Art und hatte das Gefühl, sich auf ihn verlassen zu können.

Wütend trocknete sich Adele ab.

Sollte er wirklich ein Schriftsteller sein, so konnte er ja jetzt sie und ihr Verhalten als interessante Romanfigur nehmen.  Mir selbst zu verzeihen, das muss warten, das wird wohl noch lange Zeit nicht möglich sein, dachte sie sich grimmig.

In ihren Bademantel gewickelt, mit nackten Füssen und nassem Haar, ging sie in die Küche und machte sich Milch warm. Vielleicht würde die sie ja beruhigen.

Aber die Gedanken ließen sich einfach nicht zur Ruhe bringen.

War sie dumm? Aber nicht mal damit konnte sie sich herausreden. Nein, sie war nicht dumm. Sie seufzte. Lehrerin war sie von Beruf, ende vierzig und sah gut aus. Aber einsam war sie, schrecklich einsam. Nach dem Tode ihrer Eltern, die viel zu früh starben, war sie einsam geworden. Ihr Vater war zu ihr in die Stadt gezogen. Er, der immer die Einsamkeit der Wälder und Felder liebte, der jedes Tier, jeden Baum und jede Blume benennen konnte, fühlte sich plötzlich verloren und einsam nach dem frühen Tod  seiner Frau. „Wenn ich hier bleibe“, sagte er nach der Beerdigung zu seiner Tochter, „drehe ich durch". Verzweifelt und demütig bat er sie: “Nimm mich mit in die Stadt - bitte".

Er hatte sie noch nie um etwas gebeten. Sie schluckte all ihr Argumente runter und hörte sich sagen: „Natürlich kannst du bei mir wohnen, Platz gibt es genug. Die Bibliothek ist auch nicht weit und der Stadtpark gleich um die Ecke.“ Sie lächelten sich tapfer und traurig an.

Ihre Mutter hatte vor vier Jahren einem Park einen Welpen im Papierkorb gefunden. Max hatte sie ihn getauft, als sie zuerst bei der Polizei, danach beim Tierarzt mit ihm war behielt sie ihn.

Er war zu einem stattlichen Hund herangewachsen. Ein Mischlingshund mit langem Fell und unbändigem Temperament. Seid jeher waren die beiden EIN Team!

Adeles Mutter war mit Max spazieren, ziemlich weit waren sie gegangen über Stock und Stein. Auf einem kleinen eigendlich ruhigem Sträßchen wurde sie  und Max von einer Unbekannten  Person  mit dem Auto angefahren. Diese Person beging eine

Fahrerflucht!

Als man Adeles Mutter fand, war sie bereits verblutet. Max war sehr schwer verletzt und ließ niemanden an sien geliebtes Frauchen heran. Ein Tierarzt wurde hizugezogen, letzten endes musste ein Jäger den treuen Hund erlösen, da es keine Chance der Rettung mehr für ihn gab.

Es lebte sich gut mit dem Vater, besser als sie am Anfang dachte. Sie machten einen Plan. Zweimal in der Woche kochte sie, zweimal der Vater, den  Rest der Woche und an den Wochenenden waren sie spontan.

Sie gaben sich gegenseitig genügend Freiraum und doch war keiner mehr alleine. Die Vier Zimmer Wohnung, die gleich neben dem Stadtpark lag, nicht weit von der Schule, bot genügend Platz für beide.

Warum war sie eigentlich so einsam? Wieso hatte sie keine Freunde, keine enge Freundin, mit der man alles besprechen konnte? In der Schule gab es doch genug Kolleginnen und Kollegen, mit denen man mehr oder weniger feste Freundschaften hätte schließen können.

Aber sie hatte sich immer zurückgezogen, ging zu keiner Geburtstagsfeier, zu keiner Gartenparty, zu keinem Grillfest. Mit der Zeit erhielt sie dann keine Einladungen mehr. Sprachen die Kollegen montagmorgens über ihre Wochenenderlebnisse, dann fragte sie sich oft - schloss man sie aus? Nein, man schloss sie nicht aus, sie hatte sich durch ihr Verhalten selbst ausgeschlossen!

Erst als ihr Vater plötzlich und unterwartet starb wurde ihr bewusst wie alleine und einsam sie wirklich war.

Und dann traf sie eben Walter. Er war höflich, elegant, charmant, witzig, nie aufdringlich, manchmal etwas arrogant, manchmal etwas schüchtern. Er verwirrte sie.

Er war ein guter Zuhörer und ein guter Geschichtenerzähler. War er vielleicht doch Schriftsteller?

Sehr schnell merkte sie, dass sie ihn nicht verlieren wollte, er sollte nicht weggehen.

Deshalb hatte sie ihm all das Geld gegeben, immer wieder und wieder. Er sollte in Ruhe seinen Roman fertig schreiben können. In ihrer Nähe. Und wenn der Roman fertig war, würde es ja Geld geben, viel Geld. Er hatte gelacht, als er ihr das sagte. Viel Geld, und sie würde dann natürlich all ihr Geld zurück bekommen.

Konnte man sich denn so täuschen? Ja man konnte. Sie, Adele hatte es bewiesen.

Adeles Gedanken kamen zurück in die Gegenwart.

In der Schule unterrichtete sie Deutsch, Zeichnen und Geschichte. Die Unterrichtsvorbereitungen machten Spaß, zu den meisten Schülern hatte sie ein gutes Verhältnis. Sie gab einigen Schülern Nachhilfeunterricht und bot allen Schülern zusätzliche Stunden vor wichtigen Prüfungen an. Sie strahlte auf ihre Schüler Ruhe und Zuversicht aus. Und obwohl einige Schüler schwierig werden konnten, wussten sie doch alle, dass sie sich auf ihre Lehrerin verlassen konnten.

An diesem Montag War Adeles erster Arbeitstag nach einer Freistellung vom Schuldienst, sie hatte erst nach der großen Pause Unterricht. Wie immer würde sie schon morgens um acht im Lehrersimmer sein und dieses Mal würde sie sich an den Gesprächen der Kollegen beteiligen und auf sie zugehen. Einige der Kollegen/innen waren sogar zur Beerdigung ihres Vaters gekommen. Nun lag es an ihr - es war nie zu spät, sich zu ändern oder?

Oberflächliche Beziehungen einzugehen. Zumindest für den Anfang.

Mal sehen ob es klappt, dachte sie und ignorierte ihre beginnenden Magenschmerzen. Sorgfältig wie immer zog sie sich an. Schminkte sich dezent, war dankbar über ihren natürlichen Lockenkopf und ihren guten Friseur. Sehr  wohl hatte sie die kritischen Blicke der 15-jährigen Mädchen bemerkt und gab sich deshalb besonders viel Mühe.

Sie hatte ein Faible für Schuhe und passende Handtaschen. Ihr Vater hatte darüber immer nur den Kopf geschüttelt und gelächelt, aber nie ein Wort darüber verloren. Ihr fiel ein, dass er auf der Suche nach einem Schrank, in dem er seinen Mantel unterbringen konnte, ihren Schuh- und Taschenschrank geöffnet hatte. Sie hatte ihn heimlich beobachtet. Diesen Schrank hatte sie nach eigenen Zeichnungen von einem Schreiner bauen lassen. Er war sündhaft teuer, aber die Schuhe und Taschen waren geschützt. Der Schrank war auch äußerlich ein Prachtstück. Ihr Vater hatte den Schrank leise und sorgfältig wieder geschlossen. Sie war ihm zu Hilfe gekommen, in dem sie ihn fragte, ob er auch einen Kaffee wolle? Er hatte dankbar genickt und sie hatte seinen Mantel aufgehängt. Einsamkeit hat viele Gesichter.

Auch Roswitha Reintal stand an diesem Montagmorgen prüfend vor dem Kleiderschrank und schüttelte den Kopf. Was zog man denn nur am ersten Arbeitstag  im neuen Schuljahr als Lehrerin an? Prüfend überflog sie ihre Garderobe.

Ja, das müsste gehen. Der helle Hosenanzug und die dunkelblaue Bluse. Die Bluse passte perfekt zu ihren blauen Augen und ihren vollen, dunklen Haaren. Sie hatte sich gut auf ihre ersten Stunden  vorbereitet, Mathe und Geografie.

Da zwei Lehrer ausgefielen, sollte Adele spontan die Vertretung für die siebte und achte Klasse übernehmen. Eine echte Herausforderung, aber die würde sie annehmen.

Sie seufzte. Es würde ihr gut tun, auf andere Gedanken zu kommen.

Zwei Jahre hatte sie sich vom Schuldienst befreien lassen, um ihren Vater zu pflegen, der nach dem Tod seiner geliebten Frau schnell verfiel. Danach  stand sie allein da. Es war erst Anfang Mai und es schien noch lange hin bis zum Schulbeginn im Herbst. Was sollte sie tun? Sollte sie eine Kreuzfahrt buchen oder irgendwo hinfliegen? Allein? Sie hatte sich aufgerafft, ins Café zu gehen. Ein dickes Buch hatte sie mitgenommen, das würde sie nun endlich lesen und dann hatte Walter sie angesprochen.

Zehn vor acht betrat Adele das Lehrerzimmer. Eine Frau saß an einem der Tische und las. Sie sah auf und lächelte Adele an. „Guten Morgen“.

Adele ging auf sie zu und streckte ihr ihre Hand zur Begrüßung entgegen. „Guten Morgen, Adele Altermann mein Name, ich bin die Vertretung für die sibte und achte Klasse.“

„Ja, ich weiß“ sagte die Frau. Adele ergriff die ihr entgegen gestreckte Hand und schüttelte sie mit einem festen Händedruck. Dachte die Kollegin villeicht, die mag ich?

„Adele Altermann, herzlich willkommen". Plötzlich wusste Adele, diese Frau würde ihre Freundin werden, die Freundin, die sie so dringend brauchte und wollte.

Fünf Stunden später trafen sich die zwei Frauen  im Lehrerzimmer wieder.

„Na, wie war es?“ Adele schlug einen freundschaftlich lockeren Ton an.

Sie lächelte. „Ich lebe noch, und die Schüler werden nie erfahren, dass ich restlos geschafft bin. Ich habe nicht geschrien, mir nicht die Haare gerauft und auch nicht mit dem Fuß aufgestampft. Ich habe Bianca nicht des Klassenzimmers verwiesen und Armin keine gescheuert. Ich bin stolz auf mich.“

„Reife Leistung für den ersten Tag“, lachte Roswitha Reinthal. „Kommen Sie, „Wir haben ja jetzt zwei Stunden frei, in  der Nähe gibt es ein gutes Bistro. "Essen hält Leib und Seele zusammen."

Lachend verließen die beiden Frauen den Raum.

Das Bistro war gut besucht, aber nicht voll. Sie bekamen einen Fensterplatz. Immer noch lachend setzten sie sich einander gegenüber.

“Hoffentlich sind die Teller nicht so klein wie die Tische, ich habe einen Riesenhunger.“

Raswitha Reintal erwiederte das ist ein  Bistro, kein Speiselokal, wenn sie was Anspruchvolleres wollen, dann…“Nein, nein ein belegtes Brötchen und ein Salat ist völlig ausreichend, sonst schlafe ich heute Mittag ein, denn ich darf doch noch sechsundzwanzig Hefte korrigieren.“

Sechsundzwanzig! Wer hat denn gefehlt?“ Roswitha fiel sofort die angespannte Haltung von Adele auf. „Hatun hat gefehlt.“

Adele entspannte sich sichtlich, sagte aber nichts. Roswitha nahm sich vor, Adele über die einzelnen Schüler auszufragen. Viele von ihnen schienen Probleme zu haben. Probleme, die Kinder in einer Kinderwelt nicht haben sollten. Aber gab es sie noch - diese Kinderwelt? Viel zu früh mussten viele der Kinder erwachsen werden, und das hatte seinen Preis.

Im Bistro war es voll geworden und sie mussten warten.

„Heute gibt es Käsepätzle und Salat als Tagesgericht, für fünf Euro“, unterbrach Adele Roswithas Gedankengänge „und zum Nachtisch, schau dir mal die Kuchen und Torten an.“

Willst du mich mästen?“ Roswitha hielt sich den Bauch.

Ganz selbstverständlich waren sie zum Du übergegangen.

„Du hast pausiert“, nahm Roswitha das Gespräch auf, „ich habe mir das auch überlegt.“

Ach schau mal“, sagte Adele und wies auf den Teller, den der Kellner gerade vorbeitrug, „riecht gut.- Roswitha?! Was ist los, hast du ein Gespenst gesehen?“

Adele wollte sich gerade umdrehen, aber Roswitha legte schnell eine Hand auf ihren Arm. Da kam der Kellner an ihren Tisch und sie bestellten.

Als sie ihre Bestellung aufgegeben hatten, schaute Adele Roswitha fragend an. Was sie dabei im Augenwinkel sah, gefiel ihr gar nicht. Adele  war weiß wie eine Wand  geworden. Sie schwieg, schaute  aus dem Fenster. Die Gäste spiegelten sich im Fensterglas und da, sah sie ihn! Adele hatte Roswitha von ihm und seinem üblen Spiel erzählt und hatte ihr ein Foto von Walter gezeigt. Dieser saß mit einer Frau an einem der anderen Tische. Sie war in mittlerem Alter, nett zurechtgemacht und das Leuchten in ihren Augen verriet sie.

Roswitha wandte sich an Adele  und fragte nur „wie viel?“ Ihre Stimme klang gepresst.

„30.000 € und meine Selbstachtung“. Adele schien es selbstverständlich, dass   Roswitha sie fragte.

Roswitha  nickte, „bei mir waren es 24.000 € und ich... komm, schnell.“

Der Nebentisch des verliebten Paares war gerade frei geworden, Adele schnappte sich einen freiengewordenen  Stuhl und setzte sich zu dem verdutzten Paar, eng neben Walter, auch Roswitha setzte sich dazu.

Walter rang um seine Fassung, er hatte Adele sofort wieder erkannt. Mist! Fast hätte er Maria soweit gehabt, sie wollten nach dem Imbiss zum ersten Mal zur Bank gehen.

„Guten Tag!“ Walters Kopf flog auf die andere Seite. „Adele ?“, völlig fassungslos, starrte er die Frau die sich dicht neben ihn gesetzt hatte an.

"Wie viel wollte er, damit er dableiben kann, und nicht nach Norddeutschland zu seiner Schwester ziehen muss, der Arme?“

Die Frau, die Walter gegenüber saß, rang nach Luft. „Soweit waren wir leider noch nicht, aber bei Ihnen scheint er ja Erfolg gehabt zu haben.“

Adele und Roswitha begriffen sofort, nur Walter schien nicht zu begreifen, was hier vor sich ging. Zwei Männer kamen auf sie zu und stellten sich hinter Walters Stuhl. Einer von ihnen legte seine Hand auf Walters Schulter.

Die drei Frauen schauten sich verschwörerisch und zustimmend an, nickten unmerklich und lächelten sich zu.

 

Adele war sich sicher, von nun an würde sie wieder richtig gut schlafen können und eine Freundin, die hatte sie jetzt auch.

 

 

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