Das traurige Ende einer langjährigen

          und guten Nachbaschaft

 

Wenn man es nicht selbst erlebt hätte......

man würde  es nicht glauben.

 

Sterben..... darüber denk` ich später nach.

Wie soll das gehen, dass Sterben?

Wie wünsche ich es mir?

 

Nachts im Schlaf, aber finden sollte man mich schon.

Kein Krankenhaus, kein Verlängern, kein Leiden....

Kurz und schmerzlos. Wer wünscht sich das nicht?

Und dann?

Viele sorgen vor: Patientenverfügung, Hausarztgesprächen, Testament.

Offene Gespräche mit den Kindern oder Angehörigen, engen Freunde.

Wie stelle ich mir meine Beerdigung vor?

Bestattungsunternehmen, Friedhofsamt... Wer spricht an meinem Grab? Kenne ich den Pfarrer meiner Gemeinde? Kennt er mich?

Habe ich jemanden, mit dem ich dieses Thema besprechen kann?

Was soll an meinem Grab über mich gesprochen werden? Ist es mir egal?

Es ist nicht einfach und man sollte sich nicht zu spät darüber Gedanken machen.

 

Wer räumt meine Wohnung, wer kann etwas davon gebrauchen, wo kommen die Sachen hin?

Wenn man Kinder und Enkel hat, die werden sich doch nicht etwar um den Sekretär streiten?

 

Kann ich über meinen Tod hinaus all die Fragen klären?

Ich lebe allein, schon viele Jahre, habe ich einen engen Kontakt zu meinen Verwandten?

Ich sollte mir Gedanken machen über all diese Fragen. Jetzt! Solange ich das Gefühl habe, noch etwas Zeit dafür zu haben.

Gehen wir mal davon aus, dass der Himmel mir den Wunsch erfüllt, eines morgens einfach nicht mehr aufzuwachen.

 

 

Vor drei Wochen gebe ich meiner Nachbarin einen Shlüssel meiner Wohnung.

Wegen der Handwerker und weil ich meinen Rhythmus nicht umstellen will.

Dreimal in der Woche gehe ich einkaufen. Auf was könnte ich Appetit haben?

Im Laden macht mich manches an - zuhause liegt es im Kühlschrank.

Es ist ein Kreislauf, bei dem ich immer dünner werde.

Ich habe einen netten Hausarzt, wirklich nett. Aber wann war ich das letzte Mal bei ihm?

Vor 3 Jahren?

MS – Die Krankheit mit den vielen Gesichtern. Schleichend - Schub um Schub - ich will mich nicht damit befassen - will es nicht wissen. Ich will die Krankheit nicht!

Ich habe abgenommen, viel abgenommen. Und dann kommen die Handwerker - ständig.

Die Nachbarin ruft montags wohl öfter an, aber montags gehe ich nie ans Telefon oder an die Tür. Das weiß jeder.

Am dienstagmorgen kam die Nachbarin mit den Handwerkern. Sie verschwanden im Bad.

Nein, ich hatte gestern nicht wie sonst meinen

"Schönheitstag". Ich lag im Bett.

Telefon? Hab ich nicht gehört!“

Die Nachberin glaubt mir kein Wort, ich sehe es ihr an.

"Ja ich habe etwas gegessen, ja und genügend getrunken."

Sie nötigt mir eine Banane auf und Schokoreiswaffeln. Um des Lieben Friedens willen esse ich etwas.

Nein, kein Kaffee, nein, kein Tee, habe Wasser getrunken. Ehrlich!

Wir sollten den Arzt anrufen, sie sagten doch mal Frau L., Dr. S. sei soo nett.“

Die Nachbarin versteht nicht, ist er auch, aber "ich will nicht!“ „Nein!“

Die Nachbarin schaut abends noch einmal nach mir, sitzt eine 3/4 Stunde bei mir am Bett, massiert meine Schulter, sie tut soo weh, die Schulter.

Das Telefon liegt auf dem Nachtschränkchen, bei der Nachbarin auch.

Als die Nachberin schon längere Zeit weg ist, muss ich ins Bad, ich Falle. Das Telefon liegt auf dem Nachtkasten.

"Mein Kopf! Blut! Hilfe!"

Ich schlafe ein und verlasse diese Welt.

So wollte ich es nicht. Hilflos ausgeliefert sein,

bis zum Schluss mein „eigener Herr“! So wollte ich es.

Nach 9 Wochen und einem Tag werde ich beerdigt.

Es läuft alles schief, was schieflaufen kann. Ich halte alle auf Trab.

So bescheiden und zurückgezogen, ich in den letzten 10 Jahren lebe, um so turbulenter wird es nach meinem weltlichen Tod.

Frühstück!", ruft die Nacharin am nächsten Vormitttag, ich war beim Bäcker, Kaffee oder Tee? Frau L.?" So wird mein lebloser Körper schnell gefunden.

Polizei, Notarzt, vorläufiger Totenschein vom Notarzt. Den richtigen Totenschein muss der behandelnde Hausarzt ausfüllen und unterschreiben.

Der kommt auch und nun werde ich meiner letzten (kleinen) Lüge überführt.

 

"Ich habe Frau L. seit 4 Jahren nicht mehr gesehen.

Sie ist ja nur noch Haut und Knochen. Ich kann den Totenschein nicht unterschreiben“, meint er entsetzt. Erneut rückt ein Notarzt an.

Nun kommt mein  Körper in die Rechtsmedizin und dort wird ein natürlicher Tod festgestellt (stark blutende Kopfwunde durch Sturz im Bad)...

Meine Nachbarin weiß, dass ich Verwandtschaft habe, aber den Nachnamen weiß sie nicht. Ich habe meinem Neffen vor längerer Zeit die Telefonnummer der Nachbarin gegeben - für den Notfall.

Die Nachberin darf, nachdem die Polizei da war, nicht mehr in meine Wohnung.

Sie geht davon aus, dass die Telefonnummer meines Neffens in meinem Telefon gespeichert ist und dieser von der Polizei benachrichtigt würde.

Meine Wohnung ist versiegelt. Ein Blumenstock von der Nachberin, den sie mir liebevoll vor  meine Wohnungs Türe plazierte steht dort.

Tagelang hört man nichts. Zwei Wochen später ruft mein  Neffe bei der Nachbarin an, der fällt schier der Hörer aus der Hand.

"Wissen Sie, was mit meiner Tante los ist, ich versuche sie seit Tagen zu erreichen"?

 

"Aber, oh mein Gott!“...

Er meldet sich bei der Polizei und beim Notar.

Mein Körper ist bereits verbrannt, was, wenn ich das nicht gewollt hätte? Was, wenn....... es ist zu spät.

Rein theoretisch ist mein Neffe der einzige Verwandte, aber vor 40 Jahren verschwindet mein Bruder in die USA. Er ist der direkte Erbe.

Nach mehreren Wochen wird meine Wohnung aufgelöst, es gibt schon Nachmieter.

Normalerweise setzt das Friedhofsamt den Beerdigungstermin fest und informiert den Pfarrer ... normalerweise!

Die Nachbarin verteilt bereits Blätter in der Nachbarschaft mit meinem Beerdigungstermin.

Als eine andere Nachbarin mit der Gemeindesekretärin darüber spricht, kommt heraus, dass der Pfarrer von dem Termin nichts weiß - zudem ist er erkrankt und liegt im Bett.

Eine Pfarrerin aus einer Nachbargemeinde überimmt den Termin, sie macht ihre Sache sehr gut. Nun ist es vorbei!

 

         Was bleibt? - Erinnerungen und ein Grab.


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